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Typisch Russisch: Fakt oder unwahres Klischee?

Sandra Nikolov16. Juni 20205 -min. Lesedauer

Russland ist nicht nur ein riesiges Land mit 144,5 Millionen Einwohnern, sondern auch die Heimat von literarischen Meisterwerken, talentierten Komponisten klassischer Musik und natürlich des russischen Balletts. Die russische Kultur ist traditionsreich und geprägt durch eine unglaublich lange und vielfältige Geschichte. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht mindestens genauso viele Vorurteile über Russland gibt. Komischerweise entspricht das russische Stereotyp eines Wodka trinkenden, stets ernst dreinblickenden Bärenkämpfers nicht immer ganz der Realität. 😉

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Für all die Neugierigen unter Euch: Es ist endlich soweit, gemeinsam mit dem Tandem-Team lösen wir das Rätsel um die bekanntesten russischen Klischees und räumen mit den Vorurteilen ein für alle Mal auf.

In einem anderen Blogbeitrag nehmen wir die bekanntesten britischen Stereotype unter die Lupe und schauen uns genau an, was an den Vorurteilen über die Briten wirklich dran ist. Aber jetzt präsentieren wir Euch erstmal die wohl bekanntesten russischen Stereotype.

Die Russen sagen "na zdorovie", wenn sie trinken - Klischee

Wir werden jetzt endlich mit einem häufig anzutreffenden Vorurteil aufräumen, denn scheinbar weiß niemand, was richtig ist. Aber eins nach dem anderen: Die Russen sagen nie "na zdorovie" (на здоровье), wenn sie sich zuprosten und einen Toast aussprechen. Denn das bedeutet eigentlich umgangssprachlich so viel wie "Gern geschehen" und macht in diesem Zusammenhang also nicht wirklich Sinn.

Stattdessen verwendet man zwanglose Trinksprüche wie "Davay! " (давай), was so viel bedeutet wie "Los geht’s ", "Poekhali!" (поехали) was übersetzt "Lasst uns losgehen" heißt oder sogar "Vzdrognem!" (вздрогнем), das "Lasst uns schaudern" bedeutet - denn genau das passiert, wenn man einen großen Schluck Wodka getrunken hat. Manchmal wird nach vielen Trinkrunden auch gar nicht mehr angestoßen.

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Russen sind trinkfest - Fakt

Das wohl bekannteste Klischee über Russen: das Wodka trinken. So denken einige vielleicht, dass in Russland jeder morgens mit einem Wodka in den Tag startet und bis zum Abend nicht aufhört zu trinken. Man hört schließlich oft, dass Russen die wohl trinkfreudigste Nation der Welt sind. Obwohl Weissrussland tatsächlich das Land mit dem höchsten Alkoholkonsum ist, liegt Russland nicht weit davon entfernt auf dem vierten Platz. Durchschnittlich werden 15,1 Liter puren Alkohols konsumiert, wovon mehr als 50% reine Spirituosen sind.* Also zählen die Russen zumindest zu einer von vielen trinkfesten Nationen dieser Welt. Immerhin gibt es auch jedes Jahr eine Feier zum Geburtstag des russischen Wodkas (31. Januar).

Russen sind gegen kaltes Wetter immun - Klischee

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass es in Russland eiskalt ist und die Temperatur nie über null Grad steigt. Russen müssen biologisch also irgendwie anders gestrickt sein, damit sie die Kälte nicht spüren. Es stimmt zwar, dass es in Russland aufgrund der Größe des Landes viele Orte gibt, die einen langen und kalten Winter erleben. Grundsätzlich herrscht in Russland aber ein kontinentales Klima, mit extrem unterschiedlichen Temperaturen - von +45℃ im Sommer in Kalmückien bis zu bitterkalten -64° in Oimjakon im Winter.

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Russen trinken Tee aus Untertassen - Fakt

Tee gilt in Russland als Nationalgetränk. Der durchschnittliche Russe trinkt täglich 3 Tassen Tee, in der Regel aber ausschließlich schwarzen Tee. Andere Teesorten sind den Gästen vorbehalten, denn das Teetrinken findet regelmäßig in Gesellschaft statt und gilt als beliebte gesellige Aktivität.

Aus der Untertasse zu trinken ist eine russische Tradition, die auch bei den Chinesen und Engländern zum Einsatz kommt (dort wird es als „Saucering“ bezeichnet). Die ebene Oberfläche der Untertasse lässt den sehr heiß servierten Tee schneller abkühlen, sodass man ihn sofort trinken kann. Durch diese Art des Teetrinkens wurden jedoch auch die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten sichtbar. Während die untere Gesellschaftsschicht den Tee lautstark aus der Untertasse schlürfte, waren die russischen Aristokraten so abgebrüht, dass sie den kochenden Tee sofort trinken konnten oder einfach nur geduldig genug, um ihn abkühlen zu lassen. Wahrscheinlich mögen es einige einfach sehr heiß!

Alle Russen haben eine Datscha für den Sommer - Klischee

Als weit verbreitetes Klischee gilt der vermeintliche Wohlstand aller Russen. Unter dem Begriff Datscha, dem Ferienhaus vieler Stadtbewohner, stellen sich viele ein riesiges Anwesen vor, das von mehreren Tennisplätzen umgeben ist. Klingt traumhaft, oder? In Wirklichkeit ist eine Datscha meist nur ein kleines Häuschen, umgeben von einem Stück Land und einem Gemüsegarten.

Russen verbringen oft mehrere Tage damit, das Haus von Staub und Spinnweben zu befreien, die sich in den Wintermonaten angesammelt haben und alles Mögliche zu reparieren, was in der Datscha kaputt gegangen ist. Sobald das Haus wieder in Schuss gesetzt ist, geht es raus in den Garten, um Obst und Gemüse zu pflanzen und zu ernten. Jetzt ist sicherlich auch klar, warum weniger als die Hälfte der russischen Bevölkerung eine Datscha besitzt.

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Russen sind sehr abergläubisch - Fakt

Es ist schwer zu sagen, ob tatsächlich irgendeine Logik hinter dem Aberglauben steckt - er wird einfach befolgt. Viele russische Aberglauben werden aus Tradition fortgeführt und sind im Alltag integriert. Dazu zählt die Gewohnheit sich nicht die Hände zu schütteln, während man im Türrahmen steht. Man glaubt, dass dort der "Hausgeist" wohnt. Diesen Bereich mit einem Handschlag zu durchqueren, bringt daher großes Unglück. Leere Flaschen auf den Boden zu stellen, ist ein weitere Maßnahme, um Unglück zu vermeiden. Egal, ob es sich um Wasser oder Wodka handelt. Um ihr Glück zu besiegeln, klopfen Russen auf Holz, spucken dreimal über ihre linke Schulter oder tun beides. Wenn Spucken keine Option ist, kann man auch einfach das Spuckgeräusch nachahmen und "tfu-tfu-tfu" rufen.

In Russland ziehen Bären durch die Straßen - Klischee

Nein! Obwohl es im 19. Jahrhundert vollkommen normal war, dass Bären für Veranstaltungen durch Straßen geführt wurden oder tanzten, sind Grizzlybären im Allgemeinen nicht sehr gesellschaftsfähig und neigen eher dazu, laute Geräusche zu meiden. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass der eine oder andere Bär sich in ein Dorf auf dem Land verirrt. Apropos Aberglaube: Falls du jemals einem Bären begegnen solltest, der vor einem Supermarkt wartet, kauf ihm ein Stück Fleisch am Knochen und wirf es dem hungrigen Bären vor die Füße – das soll Glück bringen. Der Bär ist glücklich und der Russe auch!

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Russen sind unfreundlich - Klischee

Dieses Vorurteil über die Russen scheint am weitesten verbreitet zu sein. Im Englischen existiert sogar der Begriff „the russian smile“ (das russische Lächeln), der beschreibt, auf welche Art in Russland Freundlichkeit gegenüber Fremden ausgedrückt wird. Im Prinzip ist es nichts anderes als ein strenges Stirnrunzeln.

In der russischen Kultur gilt es als unhöflich, seine Gefühle in Gegenwart von Fremden auszudrücken. Nicht um den heißen Brei herumzureden und direkt auf den Punkt zu kommen, wird als aufrichtig und höflich angesehen. Russen sind keine Fans von Smalltalk oder Nettigkeiten und werden niemals einfach nur so über das Wetter plaudern. Lernt man die Russen jedoch einmal näher kennen, stellt man schnell fest, dass sie sehr aufrichtig, geduldig und freundlich sind. Unsere Tandem-Nutzer liefern den Beweis.

Wir sind uns sicher alle einig, dass russische Stereotype oft etwas übertrieben sind. Aber ein Land, in dem alle Bären Einrad fahren (ein weiteres typisch russisches Klischee!), klingt nun mal besonders lustig. Die Kultur und Gewohnheiten deines Landes, sind nicht nur großartige Themen für das erste Gespräch mit deinem Sprachpartner, sondern auch eine tolle Möglichkeit, verschiedene Lebensweisen zu erkunden und zu verstehen.

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*Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation.